Kafka – die Unmöglichkeit der Interpretation

Hallo ihr!

Für meine mündliche Prüfung nächste Woche musste ich noch einmal die Lektüre „die Verwandlung“ von Kafka herauskramen. Ja, ich tat es mit Widerwillen, da mir schlechte Erinnerungen vom letzten Lesen hochkamen…Wieso wird ein Mensch plötzlich und ohne Grund in ein Ungeziefer verwandelt, und stirbt am Ende, verstoßen von der Familie? Ich verstand es damals einfach nicht, und ehrlich gesagt mein Interesse es zu begreifen war auch nicht sehr groß, damals.

Für alle, die die Novelle nicht kennen, an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung: http://www.xlibris.de/Autoren/Kafka/Kurzinhalt/Die%20Verwandlung

Wie schon geschrieben, ich las die Lektüre erneut – und ja, es berührte mich auf einmal! Nicht, dass es mich zum Weinen brachte, aber da war etwas, das mich nicht losließ! Ich forschte nach. Es geht wohl nicht nur mir so beim Lesen von Kafkas Werken, nein dieses Komische, Unerklärliche hat sogar einen Namen: „kafkaesk“.

So wie Kafka es einst in einem Brief an einen Freund schrieb, die Lektüre wirkte wie ein „Faustschlag auf den Schädel“. Ich fühlte mich provoziert. Was dachte dieser Autor dabei, eine völlig absurde Gegebenheit, die Verwandlung, so zu präsentieren als entspräche sie der Realität, als sei sie ohne Ursache einfach geschehen, als könne so etwas jedem passieren, als sei es eine Tatsache, dessen sich der Protagonist Gregor Samsa nicht auflehnen könnte. Er fügt sich dem, ohne einen Ausweg zu suchen, denn er hinterfragt seine Situation nicht und irgendwann fühlt er sich sogar ganz wohl als Ungeziefer.

Der Leser versucht diese Verwandlung zu interpretieren. Ist es vielleicht nur ein Traum, eine Einbildung Gregors? Diese These kann man schnell verwerfen, da Gregor Samsa vor der Verwandlung gerade aus „unruhigen Träumen“ erwacht und sich anschließend als Käfer vorfindet. Ebenso nehmen ihn die Menschen in seiner Umgebung  als Ungeziefer wahr. Viele weitere Interpretationstheorien scheinen plausibel, zB die Verwandlung als Protest Gegors gegen seine Familie, seinen übermächtigen Vater und gegen die Gesellschaft, geprägt von Hierarchie und anonymer Verfügungsgewalt. Oder das Annehmen der Käfergestalt als Befreiungsversuch von seiner Verantwortung gegenüber der Familie und Ausstieg aus unerträglichen Zwängen.

Doch insgesamt muss man einsehen: es gibt keine eindeutige Interpretation, es gibt nur sehr viele Leerstellen im Text, welche der Leser selbst füllen muss. So wird „die Verwandlung“ für jeden Leser eine andere Bedeutung haben, sie wird zu einer subjektiven Projektion von Gefühlen, Ansichten und Ängsten.