Freiwilligenarbeit in einem Ashram in Indien – Tag 1 + 2

Tag 1
Nach einer mehr oder weniger langen, jedoch anstrengenden Zugahrt von Goa nach Gokarna, einer viel zu teuren Tuk-Tuk Fahrt, landete ich endlich an meinem Ziel: das Shanar Prakan Ashram. Ich hatte absolut keine Vorstellung was mich erwartete, war deswegen etwas aufgeregt und fragte mich auf der Fahrt oft, ob ich bereit dafür bin und ob es die richtige Entscheidung ist.
Denn während ich mich in Südostasien sehr rastlos fühlte und mich nach einem Ort zum bleiben sehnte, packte mich in Indien wieder die Reiselust. Vor allem da ich unterwegs nette Leute traf und am liebsten mit diesen zusammen weiterreisen würde.
So zusammengefasst: ich fühlte mich unsicher und etwas down vor meiner Ankunft.
Dieses Gefühl wurde leider nach der Ankunft nicht besser. Ich betrat das Ashram durchs Eingangstor und sah viele Menschen herumwuseln, ein Feuer wurde gemacht und drumherum wurde geschmückt und Stühle verteilt. Ich, in meiner verwirrten Stimmung, fühlte mich etwas verloren, niemand schien meine Ankunft zu bemerken, niemand begrüßte mich. Ich trat also ins Gebäude ein, stand für ein paar Minuten verwirrt in der Eingangshalle herum, bis mich endlich ein Mann Anfang 60 begrüßte. Das verwirrte mich umso mehr, da ich eine Frau erwartete, diese mit der ich vorher Mailkontakt hatte. Das Rätsel löste sich nach einigen Minuten, als er mich Swami, dem Guru, dem Kopf dieses Ashrams, vorstellte. Swami schaute mich verdutzt an, sagte nichts, ich ebenso verdutzt, sie fragt mich ob ich zum Harvest hier sei, ich antwortete intuitiv ja, hatte aber nicht verstanden was sie meinte. Stille. Nach diesem unangemehmen Blickaustausch, erklärte ich mich selbst, ich käme als Freiwilliger und so weiter. Dann verstand sie und hieß mich Willkommen im Ashram, wir würden jedoch morgen mehr reden. Der Herr vom Anfang leitete mich weiter an Ashley, ebenso eine Freiwillige, sie führte mich herum und erzählte mir Dinge, die ich kaum verstand. Sie erklärte mir das meiste, und erzählte mir ebenso das heute Abend ein besonderes Fest ist. Grundsätzlich ginge es darum, dankbar zu sein für die guten Dinge im Leben, die bösen Dinge zu akzeptieren und in gute Dinge zu transformieren. Dies geschieht indem man um das Feuer sitzt, ein einziges Lied 100 mal wiederholt und nach jeder letzten Strophe Reis ins Feuer wirft.
Das wirkte alles sehr fremd auf mich. Mich überkamen Ängste und ich ging in den Bettsaal, der keine Betten hatte, da wir auf Isomatten auf dem Stein schlafen, und ich wollte einfach nur heulen und mich verstecken. Es war einerseits so vieles Neues, das ich nicht verstand, ebenso auch die täglichen Pflichten wie zB aufstehen um 6 Uhr morgens und zwei mal täglich „Chanting“ praktizieren, was grundsätzlich meditieren durch Singen meint, Freiwilligenarbeit und Mediation, Yoga. Ich fühlte mich gefangen und vermisste auf einmal alles gewohnte, das Reisen und meine Freiheiten.
Ich schaute kurz dem Fest zu, sprach ein paar wohltuende Worte mit einem Mädchen aus Holland in meinem Alter und ging dann schlafen, konnte aber die Tränen nicht unterdrücken (selbst jetzt beim Schreiben kommen sie wieder..ohman).
Der Schlaf war unangenehm, mein Rücken schmerzte und es war ungewöhnlich kalt.

Tag 2

Aufgewacht vom morgendlichen Glockenleuten um 5:50. Aufstehen, Zähne putzen, Chanting. Ich versuchte mich darauf einzulassen und es klappte mehr oder weniger. Die Gesänge sind in Hindu Sprache und daher etwas schwierig zu singen. Ebenso schliefen meine Füße ein nach einer Zeit, und mein Rücken schmerzte vom Schneidersitz.
Um 8:30 gibt es jeden Morgen Frühstück, das heißt nach dem Chanting um 7 Uhr noch genug Zeit um an den Strand zu spazieren. Ein Mädchen aus Wales ging mit mir und zeigte mir den Weg. Es war wunderschön, die Sonne schien zwischen den Palmen hindurch und ließ die Landschaft in einem tollen Licht erscheinen. Ich fühlte mich glücklich in diesem Moment und war stolz auf mich diesen 30 Min Weg am frühen Morgen auf mich zu nehmen. Der Strand war fast menschenleer als wir ankamen, und unglaublich schön. Ein paar Fischerboote standen herum samt Fischer, die die Netze bereit machten.
Wir waren um 9 Uhr zurück im Ashram, vom Frühstück war leider nicht mehr genug übrig, aber satt wurde ich trotzdem.
Sonntag ist der freie Tag und jeder schmied Pläne. Ich fühlte mich unwohl schon am ersten Tag frei zu machen, und da Swami sagte sie bräuchte trotzdem ein paar Leute heute, blieb ich im Ashram und half aus. Wir waren zwei Freiwillige von ca 15, die blieben. Wir kochten für das Mittag- und Abendessen, Auberginen Curry, Rote Beete Gemüse und Reis Gemüse, sowie machten wir fritierte indische Fladen. Wir brauchten eine lange Zeit dafür, starteten gegen 10 Uhr und waren ca gegen 15 Uhr fertig. Zwischendurch half ich noch ein paar Bereiche zu putzen und Zimmer für neue Gäste herzurichten. Swami war nicht sehr gesprächig und ich fühlte mich irgendwie seltsam in ihrer Umgebung. Sie fragte mich nichts und gab auch nichts von sich preis. Später aßen wir, ich hatte einen 20 minütigen Mittagsschlaf und dann ging es in die Stadt um Wasser von einer Quelle zu holen und anschließend an der Küste während dem Sonnenuntergang zu meditieren. Die Kulisse war atemberaubend, die Kliffe, die raue See, die rote Sonne. Alle Elemente vereint, das war was Swami uns erklärte: Wasser, Erde, Feuer und Luft, und der Mensch mit ihnen im Einklang. Das war eine schöne Erfahrung und ich fühlte mich wohl unter den Menschen, ich fühlte ein bisschen was von den „good vibrations“, von denen Swami spricht, konnte mich jedoch schwierig konzentrieren.
Danach gingen wir noch in ein lokales Restaurant in Gokarna, hatten Tee und Eiscreme und gingen dann zum Ashram zum Abendessen.
Allen in allem war der zweite Tag ein wenig aufschlussreicher und ich fühle wie ich langsam ankomme und auftaue, jedoch brauche ich noch meine Zeit um mich komplett darauf einzulassen.

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Unterwegs – Es geht weiter nach Indien

Zwei Monate Reisen liegen nun hinter mir. Die Zeit verging rasend schnell und es fühlt sich an, als hätte meine Reise erst begonnen. Ich merke, wie ich mit jedem Tag ein Stückchen wachse. Die tollen Momente zeigen mir, wie schön das Leben sein kann und die stressigen, kraftraubenden Momente lehren mich stark zu sein und nie den Mut zu verlieren. Klingt kitschig, ist aber so.

„Zwei Monate, das ist so eine lange Zeit“, dachte ich. Heute weiß ich zwei Monate, das ist nichts. Ich spüre wie ich langsam, aber sicher, zu mir selbst finde. Wer bin ich ubd wer will ich sein und was will ich erreichen im Leben? Fragen, denen ich näher komme.

Doch Zwei Monate sind viel zu kurz um mehr als Ansätze zu finden. Daher habe ich meinen Flug nach Hause ausfallen lassen. Ich kann einfach noch nicht aufhören zu reisen!
Es gab noch nie eine Zeit in meinem Leben, in der ich mich so schnell wie jetzt entwickelt habe, so fühlt es sich zumindestens an.

Reisen macht mich stark, selbstbewusst, offen und kommunikativ! Reisen wirft Vorurteile über Bord und gibt mir eine andere Sichtweise auf mich und meine Heimat. Woher soll man sonst wissen, dass nicht alle Deutschen seriös und vernünftig, alle Russen streng, alle Schweden Topmodels sind?

Meine weitere Reise wird mich nach Indien bringen. Ich bin super aufgeregt, doch freue mich riesig!
Werde berichten, sobald ich Zeit habe.

Bis dann!